Ausgewählte Beiträge

Verbraucherkreditregelung begünstigt unseriöse Vermittlungspraktiken

Gesetz behindert gute Finanzierungsberatung

12.01.2000

Beiträge anzeigen, die einen der folgenden Begriffe beinhalten:

Die erfolgreiche Vermittlung eines Verbraucherkredits – z. B. eines Baudarlehens – wird dem privaten Vermittler mit einer Provision entlohnt. Der Gesetzgeber hat die entsprechenden Vorschriften leider so angelegt, daß Vermittler oft wenig Interesse an einer umfassenden und kritischen Beratung haben.

Handelsblatt

Hamburg. Wer einen Darlehensvertrag über einen Finanzierungs- oder Kreditvermittler abschließt, zahlt dafür entweder direkt oder indirekt eine Vermittlungsprovision. Direkt wird die Provision geleistet, wenn der Darlehensnehmer den Vermittler selbst bezahlt. Indirekt wird sie geleistet, wenn die Bank den Zinssatz so kalkuliert, daß dieser eine Provision für den Vermittler ermöglicht.

Bei Darlehen an Verbraucher, also all jene Darlehen, die weder der gewerblichen noch der selbständig ausgeübten beruflichen Tätigkeit dienen (§ 1 Abs. 1 Verbraucherkreditgesetz), darf der Vermittler ein Honorar nur bei erfolgreicher Vermittlung verlangen (§ 16). Überdies hat er weitere vier Formvorschriften einzuhalten (§ 15 Abs. 1). Werden diese nicht beachtet, entfällt der Honoraranspruch auch bei erfolgreicher Vermittlung (§ 15 Abs. 2):

1. Der Kreditvermittlungsvertrag bedarf der Schriftform.

2. Der Vermittlungsvertrag darf nicht durch ein einheitliches Formular mit dem Kreditvertrag verbunden sein.

3. Der Vermittler hat sein Honorar im Vomhundertsatz des Darlehensbetrags anzugeben. Eine Angabe in DM ersetzt die fehlende Prozentangabe nicht.

4. Eine etwa von der Bank erhaltene Provision ist ebenfalls auszuweisen.

Wird nur eine dieser vier Pflichten vom Vermittler verletzt, so entfällt der Vergütungsanspruch.

In der Praxis erweisen sich diese zwingenden Vorschriften - nach § 18 dürfen die gesetzlichen Regelungen nicht durch andere Vertragsgestaltungen umgangen werden - als für eine seriöse Kreditvermittlung hinderlich - eben weil das Gesetz nur die erfolgsabhängige Vermittlervergütung kennt.

Der private Bauherr möchte von seinem Finanzierungsexperten in der Regel nicht nur den günstigsten Kredit vermittelt bekommen. Darüber hinaus interessiert er sich für ein komplettes Finanzierungskonzept, das über den zu beantragenden Kredit hinausreicht. Ferner wünscht er eine Belastungsrechnung, die ihn über die wirtschaftliche Tragfähigkeit des vorgeschlagenen Konzepts informiert. Er möchte über steuerliche Fragen im Zusammenhang mit der Aufteilung der Immobilie beraten werden. Auch sieht er es gerne, wenn der Vermittler den Papierkrieg um die Beantragung der Fördermittel übernimmt. Im Regelfall geht es somit nicht um die reine Kreditvermittlung, sondern um Beratung und Vermittlung.

Das Verbraucherkreditgesetz verbietet zwar nicht die gleichzeitige Beratung und Vermittlung, es behindert sie aber erheblich. Vermittler, die umfangreich beraten, wenden mehr Zeit für den Einzelfall auf. Eine höhere Vermittlungsprovision können sie gegenüber dem einzelnen Bauherren deshalb aber nicht durchsetzen. Würden sie diesen Versuch unternehmen, bestünde für sie die Gefahr, daß sich der Finanzierungsinteressent nach dem Erhalt der wertvollen Beratungsinformationen abwendet - ein Honoraranspruch entsteht erst nach dem Vermittlungserfolg -, und die Kreditvermittlung sodann über den unkritischen Vermittler mit Discount-Provision vornimmt.

Das Verbraucherkreditgesetz setzt den Vermittlern somit Anreize, ihre Tätigkeit provisionsorientiert zu planen: Schnelle Darlehensvermittlung, keine Beratung, keine Warnung vor nicht tragbaren, zu teuren oder schlecht abgestimmten Finanzierungen.

Warnungen erweisen sich als geradezu geschäftsschädigend. Der Vermittler bringt sich dadurch um die eigene Provision.

Fazit: Eine Orientierung des Honorars am Verkaufserfolg macht nur dort Sinn, wo die Chance auf Folgegeschäfte ausreichend Anreize zu seriöser Beratung setzt. Im Darlehensbereich überwiegen Einmalgeschäfte. Die Vorschriften des Verbraucherkreditgesetzes begünstigen deshalb unseriöse Vermittlungspraktiken. Sie sollten umgehend reformiert werden.

Weitere Beiträge

Kredite von Selbständigen und Gesellschaften bürgerlichen Rechts sind häufig auch Verbraucherdarlehen

4% Zinsen bei nicht angegebenem effektiven Jahreszinssatz.

31.12.2001

Wann sind Kredite von Selbständigen Verbraucherdarlehen?

Der Europäische Gerichtshof stärkt die Rechte von Darlehensnehmern

Nicht nur die Erwerber von Steuersparimmobilien können ohne Vorfälligkeitsentschädigung zurückzahlen

16.12.2001

Gute Nachrichten für eine Vielzahl verzweifelter Immobilieneigentümer: Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, daß auch bei Baufinanzierungsdarlehen ein Widerrufsrecht besteht. Darlehensnehmer, die in der Vergangenheit Kreditverträge unterzeichneten, ohne über ihr Widerrufsrecht schriftlich belehrt worden zu sein – diese schriftliche Belehrung ist vom Darlehensnehmer separat mit einer eigenen Unterschrift zu quittieren –, können noch nach vielen Jahren laufende Kredite widerrufen. Voraussetzung dafür ist, daß die Initiative zum Abschluß des Vertrags nicht vom Bauherren oder Immobilienkäufer, sondern vom Kreditgeber oder dessen Vermittler ausging.

Steuersparimmobilie, Vorfälligkeitsentschädigung und andere Rückerstattungsansprüche aus Darlehensverträgen

Schuldrechtsreform verkürzt Verjährungsfrist von 30 auf nur noch 3 Jahre

22.10.2001

Gemäß der Neuregelung des § 195 BGB wird die gegenwärtig noch geltende regelmäßige Verjährungsfrist von 30 auf 3 Jahre verkürzt. Davon betroffen sind zum Beispiel viele Altansprüche aus Darlehen (Erstattungsansprüche aus Vorfälligkeitsentschädigungen, Disagio, variablen Zinsen etc.) und Kapitalanlage (Notleidende Investmentfonds, Steuersparimmobilien etc.), die bisher noch nicht geltend gemacht wurden, weil der geschädigte Anleger bisher noch unsicher darüber war, in welchem Umfang oder unter welchen Bedingungen er seinen Ersatzanspruch durchsetzen kann.

OLG München qualifiziert den Erwerb von Steuersparimmobilien als widerrufliches Haustürgeschäft

Eigentümer von Steuersparimmobilien schöpfen neue Hoffnung

30.06.2000

Vielen ist die Situation aus eigener Erfahrung bekannt. Selbsternannte Anlageberater sprechen Privatpersonen mit dem Ziel an, ihnen eine steuerlich begünstigte Eigentumswohnung ohne jegliches Eigenkapitalerfordernis zu vermitteln. Auf diese Weise würde der Grundstein zum mietfreien Wohnen im Alter gelegt. Die Kontaktaufnahme erfolgt zumeist "auf Empfehlung" - telefonisch, an der Haustür, aber auch am Arbeitsplatz.

OLG Karlsruhe mit verbraucherfreundlicher Entscheidung zu Erwerbermodellen

Hoffnung für Eigentümer von Steuersparimmobilien

23.05.2000

Viele Anleger haben auf Pump eine Immobilie gekauft, deren Finanzierung mit Steuervorteilen schöngerechnet wurde. Der Kauf entpuppte sich als Verlustgeschäft. Ein Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe könnte den gebeutelten Anlegern nun ein Teil des verlorenen Geldes zurückbringen.

RSS-Feed

Kanzlei Buxtehude

Birkenhain 1a
21614 Buxtehude

Telefon:
04161 996812
Telefax:
04161 996815

Zweigstelle Stade

Am Hang 17
21682 Stade

Telefon:
04141 796565
Telefax:
04141 544546